WestLB mit 50 Mio € Halbjahresgewinn
- Kundengeschäft zeigt sich robust
- Verwaltungsaufwand um weitere 13% verringert
- Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 158 Mio € verarbeitet
- Bilanzsumme um 16% und Risikoaktiva um 7% reduziert
- Vorstand treibt Umbau der Bank konsequent voran
Der WestLB Konzern erzielte im ersten Halbjahr 2011 ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 50 Mio € (i.V. 114 Mio €). Das Halbjahresergebnis war durch Restrukturierungsaufwendungen für die laufende Transformation der Bank geprägt. Erfolge erzielte die WestLB im Kundengeschäft und beim Kostenabbau. Die kräftig gesunkenen Aufwendungen für die Kreditrisikovorsorge reflektieren neben der verbesserten Konjunktur auch das konservative Risikoprofil der Bank.
Dietrich Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der WestLB, sagte zu den Halbjahreszahlen: „Angesichts der großen Herausforderungen hat die WestLB ein solides Ergebnis vorgelegt. Die Bank ist auch im zweiten Quartal operativ profitabel. Das Kundengeschäft ist robust, insbesondere mit Firmenkunden, bei Projektfinanzierungen und im Transaction Banking. Damit beweist die Bank ihre Leistungsstärke als Finanzierungspartner von Unternehmen in Deutschland und unterstreicht ihre internationale Strukturierungskompetenz. Auch die planmäßig umgesetzte umfassende Restrukturierung der Bank der vergangenen drei Jahre trägt hier Früchte.“
Niveauverschiebung durch Übertragungseffekte
Im deutlich gesunkenen Zinsüberschuss in Höhe von 565 Mio € (i.V. 946 Mio €) zeigt sich besonders die Niveauverschiebung in Folge der Übertragung von Portfolios auf die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) am
30. April 2010. Darüber hinaus war das Zinsergebnis durch gestiegene Refinanzierungskosten belastet. Für die Kreditrisikovorsorge wendete die Bank 55 Mio € (i.V. 137 Mio €) auf und trug damit allen erkennbaren Kreditrisiken angemessen Rechnung.
Der Provisionsüberschuss belief sich auf 120 Mio €. Das Ergebnis der Vergleichsperiode (190 Mio €) enthielt Beiträge der in die EAA ausgelagerten Portfolios sowie der Tochtergesellschaften Banque d’Orsay und WestLB International, die im zweiten Halbjahr 2010 veräußert wurden.
Das Handelsergebnis erreichte 26 Mio € (i.V. -396 Mio €). Positive Effekte ergaben sich aus Wertzuwächsen bei Staatsanleihen und vergleichbaren Aktiva in Höhe von 2 Mio € (i.V. -321 Mio €) sowie aus der Bewertung eigener Passiva in Höhe von 167 Mio € (i.V. 38 Mio €). Dagegen belasteten IAS 39-bedingte Bewertungsinkongruenzen das Handelsergebnis mit 155 Mio € (i.V. Entlastungen in Höhe von 158 Mio €). Per Saldo entstanden positive Bewertungseffekte in Höhe von 14 Mio € (i.V. -125 Mio €).
Das Finanzanlageergebnis in Höhe von 9 Mio € (i.V. -64 Mio €) wurde durch Gewinne aus der Veräußerung von Finanzbeteiligungen getragen. Wertberichtigungen auf griechische Staatsanleihen der Tochtergesellschaft Westdeutsche Immobilienbank AG belasteten das Ergebnis mit 29 Mio €.
Kostenbasis weiter reduziert
Der Verwaltungsaufwand sank im ersten Halbjahr 2011 um 13% auf 480 Mio € (i.V. 549 Mio €). Die Zahl der Vollzeitkräfte verringerte sich gegenüber Ende 2010 um 97 auf 4.376. Der Saldo aus sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen betrug 23 Mio €. Das Vorjahresergebnis (154 Mio €) war maßgeblich von EAA-Übertragungseffekten beeinflusst. Im Zuge der laufenden Transformation der Bank wurden Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 158 Mio € (i.V. 30 Mio €) berücksichtigt.
Segmente: Kundengeschäft zeigt sich robust
In einem anspruchsvollen Umfeld erzielte die Bank weiterhin sichtbare Erfolge im Kundengeschäft. Gleichwohl schlägt sich das insgesamt geringere Geschäftsvolumen im ersten Halbjahr 2011 in den Vorsteuerergebnissen der einzelnen Kundensegmente nieder. Den größten Beitrag leistete erneut das Segment Firmenkunden & Strukturierte Finanzierung mit 177 Mio € (i.V. 231 Mio €). Das schwierige Kapitalmarktumfeld hatte spürbare Folgen für das Kapitalmarktgeschäft, das 13 Mio € (i.V. 63 Mio €) beisteuerte. Im Segment Verbund & Mittelstand, das durch eine größere Wertkorrektur bei einem Engagement belastet war, betrug das Vorsteuerergebnis -1 Mio € (i.V. 5 Mio €), im Transaction Banking 5 Mio €
(i.V. 4 Mio €). Das Segment Entflechtung, das die Beiträge der zu veräußernden Tochtergesellschaften enthält, verzeichnete -16 Mio € (i.V. -167 Mio €). Das Vorsteuerergebnis im Segment Sonstige Bereiche in Höhe von -128 Mio € (i.V. -22 Mio €) ist vor allem auf hier erfasste Restrukturierungsaufwendungen zurückzuführen.
Konservatives Risikoprofil – komfortable Kapitalquoten
Mit dem konsequenten Abbau ihrer Bilanzsumme und der Risikoaktiva hat die WestLB Auflagen der Europäischen Kommission erfüllt und ihr Risikoprofil weiter verbessert. Die Risikoaktiva beliefen sich Ende Juni 2011 auf 45,4 Mrd € (31.12.2010: 48,6 Mrd €). Die Bilanzsumme lag am Stichtag bei 160,4 Mrd € und damit um 16% unter dem Wert zum Ultimo 2010 (191,5 Mrd €). Das konservative Risikoprofil der Bank fand seinen Niederschlag in komfortablen Kapitalquoten: eine Kernkapitalquote von 10,7% und eine Eigenmittelquote von 16,0% per Ende Juni 2011. Die für Basel III maßgebliche harte Kernkapitalquote stieg zum Stichtag auf 9,8% (Ende 2010: 8,7%). Die angemessene Kapitalausstattung der Bank wurde durch die im Juli des Jahres durchgeführten Stresstests europäischer Banken bestätigt.
Eckpunktevereinbarung zum Restrukturierungsplan abgeschlossen
Am 23. Juni 2011 verständigten sich die Eigentümer, der Finanzmarktstabilisierungsfonds der Bundesrepublik Deutschland, die EAA und die WestLB auf verbindliche Eckpunkte zur Restrukturierung der Bank. Danach soll bis zum 30. Juni 2012 eine regional ausgerichtete Verbundbank von der WestLB abgespalten und von der Sparkassen-Finanzgruppe kapitalisiert werden. Bis zu diesem Stichtag wird die WestLB den Verkaufsprozess für alle Geschäftsfelder, die nicht zur Verbundbank gehören, mit großer Energie vorantreiben. Portfolios, die bis dahin weder verkauft noch Teil der Verbundbank sind, übernimmt die EAA. Auch in der Übergangszeit wird die WestLB Neugeschäft im Rahmen ihrer jeweiligen Geschäfts- und Risikostrategie abschließen. Ab 30. Juni 2012 wird sie als eine Service- und Portfolio-Management-Bank Dienstleistungen für die Verbundbank und die EAA, aber auch für Dritte, erbringen. Die Europäische Kommission beabsichtigt nach eigener Aussage, bis zum Herbst 2011 eine Entscheidung im Beihilfeverfahren zu treffen.
Vorstandschef Dietrich Voigtländer: „Die Einigung bringt strategische Klarheit für die weitere Entwicklung der WestLB. Für Kunden und Investoren, Belegschaft und Eigentümer ist diese Lösung gegenüber anderen Szenarien vorzuziehen. Bei der Umsetzung werden wir besonderes Augenmerk darauf legen, für möglichst viele Kompetenzen und Arbeitsplätze eine Anschlusslösung zu finden. Eine werthaltige und ökonomisch sinnvolle Veräußerung von Geschäftsfeldern spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir sind in attraktiven Geschäftsfeldern gut positioniert und wecken damit Interesse im Markt.“
Die Transformation der WestLB ist mit hoher Unsicherheit verbunden und führt möglicherweise zu weiteren erheblichen Aufwendungen. Eine belastbare Aussage zum Jahresergebnis 2011 ist derzeit nicht möglich.
Für die Mitte nächsten Jahres an den Start gehende Service- und Portfolio-Management-Bank sieht Finanz- und Risikochef Thomas Groß eine gute Geschäftsbasis. „Die WestLB bietet bewährte Kompetenzen, Infrastruktur und Prozesse, etwa in den Bereichen Portfoliomanagement, Treasury und IT. Die erprobte und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der EAA unterstreicht das eindrucksvoll“, sagte Groß.
Anlagen
Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung 1. Januar bis 30. Juni 2011
Konzernbilanz zum 30. Juni 2011


