WestLB Kernbank erzielt 446 Mio € Vorsteuergewinn
- Operative Ertragskraft deutlich ausgebaut
- Kosten um weitere 13% gesenkt
- Kernkapitalquote steigt auf 11,4%
- Bilanzsumme um 21% und Risikoaktiva um 41% verringert
Die WestLB hat 2010 ihre operative Ertragskraft in der Kernbank durch ein starkes viertes Quartal weiter verbessert und das Kundengeschäft deutlich ausgebaut. Die Kernbank entwickelte sich in einem schwierigen Marktumfeld profitabel: Das Vorsteuerergebnis beträgt 446 Mio € nach 138 Mio € im Vorjahr. Die Erträge stiegen um 22% auf 1,4 Mrd €; gleichzeitig wurden die Verwaltungsaufwendungen in der Kernbank um 13% reduziert.
Das Ergebnis im Konzern war erneut in hohem Maße durch Belastungen aus dem konsequent vorangetriebenen Umbau der Bank geprägt. Die Übertragung nicht strategienotwendiger Aktiva auf die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) wurde abgeschlossen und vollständig in den Zahlen verarbeitet. Neben Übertragungseffekten belasteten erhebliche Restrukturierungskosten das Ergebnis. Der Vorsteuerverlust reduzierte sich auf 133 Mio € (Vorjahr: -503 Mio €); das Konzernergebnis nach Steuern betrug -240 Mio € (Vorjahr: -531 Mio €). Die Bank verbesserte nachhaltig ihr Risikoprofil und steigerte die Kernkapitalquote von 6,9% auf 11,4%. Die Bilanzsumme sank um 21%, die Risikoaktiva gingen um 41% zurück.
Dietrich Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der WestLB, sagte bei der Vorlage des Konzernabschlusses: „Die WestLB hat 2010 bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert. Selbst unter schwierigen Bedingungen haben wir das Kundengeschäft gestärkt und auch unsere Kundenbasis ausgeweitet. Das Vertrauen der Kunden zeigt: Die WestLB spielt nach wie vor eine wichtige Rolle im deutschen Finanzsektor.“ Darüber hinaus habe die Bank weitere Meilensteine auf dem Weg in die Zukunft erreicht. „Die Auflagen der Europäischen Kommission haben wir weitgehend umgesetzt und zudem einen genehmigungsfähigen Umstrukturierungsplan termingerecht vorgelegt“, so Voigtländer weiter.
Kundengeschäft weiter ausgebaut
Im Geschäftsjahr 2010 schärfte die WestLB das Geschäftsprofil der Kernbank und baute die kundenbezogenen Aktivitäten weiter aus. Auf das Kundengeschäft entfielen 85% der Gesamterträge in der Kernbank in Höhe von 1,4 Mrd €. Dabei leisteten alle Kundensegmente einen signifikanten Beitrag: Spezialfinanzierungskunden (33%), Firmenkunden (29%), Institutionelle Kunden (20%) und Verbundkunden (18%). In einem schwierigen Wettbewerbsumfeld hielt die Bank operativ Kurs und stärkte ihre Marktposition in zahlreichen Geschäftsfeldern. Als führende Landesbank für Eigenkapitalmaßnahmen begleitete sie 15 Transaktionen. Bei Schuldscheindarlehen (Top 3), Anleihen (Top 5) und syndizierten Krediten (Top 8) bestätigte sie ihre starke Rolle als Unternehmensfinanzierer in Deutschland. Zugleich festigte die WestLB ihre Marktposition als führender deutscher Projektfinanzierer und als drittgrößter Emittent von Zertifikaten.
Der Zinsüberschuss betrug im Konzern 1.457 Mio €. Das Zinsergebnis in der Vergleichsperiode (1.868 Mio €) enthielt noch für volle 12 Monate Ergebnisbeiträge aus Portfolios, die am 30. April rückwirkend zum 1. Januar 2010 in die EAA übertragen wurden. Mit Aufwendungen für die Kreditrisikovorsorge in Höhe von 242 Mio € trug die Bank allen erkennbaren Kreditrisiken angemessen Rechnung. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert (796 Mio €) resultierte vornehmlich aus den in die EAA transferierten Portfolios. Der Provisionsüberschuss belief sich auf 368 Mio € (Vorjahr: 381 Mio €).
Aus der Bewertung von mittlerweile auf die EAA übertragenen Staatsanleihen und vergleichbaren Aktiva ergaben sich negative Effekte in Höhe von 327 Mio € (i.V. +86 Mio €), die maßgeblich das Handelsergebnis (-478 Mio €, i.V. -188 Mio €) belasteten.
Das Finanzanlageergebnis in Höhe von -88 Mio € (i.V. -10 Mio €) ist vor allem durch die Auflösung einer Neubewertungsrücklage aus transferierten Beständen (-92 Mio €) geprägt.
Kostenbasis weiter deutlich gesenkt
Den Verwaltungsaufwand reduzierte der WestLB Konzern im vierten Jahr in Folge kräftig; er sank um weitere 14% auf 1.023 Mio € (Vorjahr: 1.192 Mio €). Der Personalaufwand verringerte sich auf 486 Mio € und lag damit um 19% unter Vorjahr. Hierzu trug vor allem der Abbau um 498 auf nunmehr 4.473 Vollzeitarbeitskräfte bei. Die anderen Verwaltungsaufwendungen gingen um 11% auf 460 Mio € zurück.
Der Saldo aus sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen (111 Mio €, i.V. -39 Mio €) resultierte vor allem aus EAA-Transfereffekten. Die Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 238 Mio € (i.V. 463 Mio €) enthalten insbesondere Rückstellungszuführungen, die für die von der Europäischen Kommission geforderte Veräußerung von konsolidierten Tochterunternehmen (211 Mio €, i.V. 335 Mio €) anfallen.
Firmenkunden- und Verbundgeschäft mit positivem Segmentergebnis
Der deutliche Ausbau des Kundengeschäfts schlägt sich in der Geschäftsentwicklung der kundennahen Segmente nieder. So stieg das Vorsteuerergebnis im Segment Firmenkunden und Strukturierte Finanzierung um 35% auf 370 Mio € (i.V. 275 Mio €). Im Kapitalmarktgeschäft belief sich das Segmentergebnis entsprechend den Planungen auf 64 Mio € vor Steuern. Der Vorjahreswert (341 Mio €) war von außergewöhnlich günstigen Geldmarktbedingungen geprägt. Das Segment Verbund & Mittelstand verbesserte sein Vorsteuerergebnis auf 25 Mio € (i.V. -4 Mio €); im Transaction Banking war ein Rückgang auf -6 Mio € (i.V. 1 Mio €) aufgrund des niedrigen Zinsniveaus zu verzeichnen. Für die Kernbank errechnet sich somit ein Vorsteuerergebnis in Höhe von 446 Mio € (i.V. 138 Mio €). Im Segment PEG/Entflechtung belief sich das Vorsteuerergebnis auf -579 Mio € (i.V. -641 Mio €). Hier werden die Ergebnisse aus den in die EAA transferierten Portfolios sowie den zu veräußernden Beteiligungen erfasst.
Kapitalquoten und Risikoprofil verbessert
Ihr Risikoprofil und ihre Kapitalquoten hat die WestLB im Geschäftsjahr 2010 deutlich verbessert und ihre ressourcenschonende Risikosteuerung konsequent fortgesetzt. Die Kernkapitalquote erreichte 11,4% (i.V. 6,4%), die Eigenmittelquote 15,9% (i.V. 9,1%). Die Risikoaktiva sanken um 34 Mrd € auf 49 Mrd €. Die Bilanzsumme verringerte sich um 50,8 Mrd € (-21%) auf 191,5 Mrd €. Der Rückgang resultierte insbesondere aus der Übertragung nicht strategienotwendiger Aktiva auf die EAA.
Fokussierung des Geschäfts weitgehend umgesetzt
Die Entscheidung der Europäischen Kommission vom Mai 2009 hat die Bank weitgehend umgesetzt. Neben der Reduktion von Bilanzsumme und Risikoaktiva kam die Bank auch bei der Straffung des Standortnetzes und der Veräußerung von Beteiligungen voran. Mit der Schließung des Standortes in Köln ist die Zielaufstellung in Deutschland erreicht. Zudem schloss die Bank ihre Niederlassung in Paris sowie die Repräsentanz in Dubai und trennte sich von ihren Tochtergesellschaften WestLB Bank Polska, Banque d’Orsay sowie WestLB International in Luxemburg. Für die Veräußerung der Tochtergesellschaft Westimmo hat die Bundesregierung eine Fristverlängerung mindestens bis zum 31. Juli 2011 beantragt. Die Europäische Kommission hat hierüber bisher noch nicht entschieden.
Überarbeiteter Umstrukturierungsplan eingereicht
Im Herbst 2010 teilte die Europäische Kommission der Bundesregierung mit, dass mit der Auslagerung nicht strategienotwendiger Aktiva in die EAA ein neuer Beihilfetatbestand verbunden sei. Die Bundesregierung hatte der Kommission Mitte November 2010 zugesagt, bis zum 15. Februar 2011 einen überarbeiteten Umstrukturierungsplan einzureichen, der beihilfekompensierende Maßnahmen enthält. Die Bundesregierung reichte diesen vom Aufsichtsrat der WestLB gebilligten Plan fristgemäß als Teil eines Gesamtpakets in Brüssel ein. Gleichzeitig erhielt die Kommission einen Statusbericht des Veräußerungsbevollmächtigten zum Verkaufsprozess sowie ein vom DSGV erstelltes subsidiäres Konzept „Verbundbank“ für den Fall, dass der Umstrukturierungsplan abgelehnt werden würde und der Verkaufsprozess nicht zu einem Abschluss führen sollte. Der überarbeitete Umstrukturierungsplan sieht vor, dass die WestLB Bilanzsumme und risikogewichtete Aktiva, jeweils bereinigt, bis 2015 um ca. ein weiteres Drittel gegenüber den aktuell gültigen Zielvorgaben reduziert. Über die weitere Fokussierung hinaus schlägt die Bank zusätzlich die Separierung von vier Teilbetrieben unter dem Dach der WestLB vor: Verbund & Unternehmensfinanzierung, Spezialfinanzierungen, Transaktionsinstitut sowie Gruppen- & Servicefunktionen. Diese Teilbetriebslogik verbessert die Anschlussfähigkeit für mögliche Partneroptionen. Die entsprechende Implementierung würde ca. 12 bis 24 Monate dauern. Letztendlich wird jede Lösung für die WestLB mit Restrukturierungskosten verbunden sein, die nicht nur von der Bank getragen werden können.
Dietrich Voigtländer: „Uns ist vollkommen klar: Die Bank muss sich auf Drängen von Brüssel noch weiter fokussieren. Unser überarbeiteter Umstrukturierungsplan führt zu profitablen und anschlussfähigen Einheiten unter dem Dach der WestLB, die wertschöpfende und leistungsstarke Expertise in Partneroptionen einbringen können. Diese Gesamtlösung sichert umfassende Produkt- und Finanzierungskompetenzen für die Sparkassen und unsere anderen Kunden. Maßgeblich für uns ist, dass alle Teilbetriebe eine Zukunft haben und so das Vermögen der Eigentümer am besten geschützt wird, möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben und zugleich eine bestmögliche Lösung für den Steuerzahler erreicht wird.“
Anlagen
Gewinn- und Verlustrechnung 2010 Konzern und WestLB Kernbank
Konzernbilanz zum 31. Dezember 2010
