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23.03.2010

WestLB Kernbank steht

  • Kernbank profitabel und von Risiken deutlich entlastet
  • Zins- und Provisionsüberschuss um 37 % gesteigert
  • Verwaltungsaufwand sinkt um 11 %
  • Sonderbelastungen drücken Ergebnisentwicklung
  • Vorsteuerergebnis -503 Mio €, bereinigt +165 Mio €

Die WestLB ist 2009 entscheidend vorangekommen: Die von Risiken entlastete Kernbank steht und ist profitabel. Das Konzernergebnis im Geschäftsjahr 2009 war geprägt durch hohe Belastungen aus der Fokussierung der Bank sowie durch Aufwendungen in Verbindung mit der Veräußerung von konsolidierten Tochterunternehmen. Zugleich verarbeitete die WestLB im Zuge der weltweiten Rezession auf -796 Mio € (Vorjahr: -479 Mio €) stark erhöhte Aufwendungen für die Kreditrisiko-vorsorge. Das um periodenfremde und nicht nachhaltige Effekte bereinigte Ergebnis erreichte 165 Mio € (Vorjahr: -628 Mio €) und belegt die operative Ertragskraft der Bank. Unter dem Strich beendete die WestLB das Geschäftsjahr 2009 mit einem Vorsteuerverlust in Höhe von 503 Mio € (Vorjahr: +26 Mio €); das Konzernergebnis nach Steuern betrug -531 Mio € (Vorjahr: +18 Mio €). Das Vorjahresergebnis war geprägt durch einen Gewinn in Höhe von 962 Mio € aus der Übertragung von risikobehafteten Wertpapieren auf die Zweckgesellschaft Phoenix.

Im Berichtsjahr fokussierte sich die Bank weiter auf das Kundengeschäft und verbesserte zugleich ihr Risikoprofil nachhaltig. Die Bilanzsumme sank strategiekonform um 16 %, die Risikoaktiva gingen um 6 % zurück. Die Kernkapitalquote erreichte Anfang 2010 – mit der zweiten Tranche der Stillen Einlage des SoFFin – 8,2 % und wird sich durch die Abspaltung von Risikopositionen und nicht strategischen Aktiva auf die Erste Abwicklungsanstalt bis Ende April 2010 weiter auf ca. 9 % verbessern.

Dietrich Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der WestLB, sagte bei der Vorlage des Konzernabschlusses auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf: „Die weltweite Rezession und Sonderbelastungen haben deutliche Spuren in unserem Abschluss des Geschäftsjahres 2009 hinterlassen. Das Ergebnis zeigt aber auch: Die WestLB ist im Kerngeschäft operativ gut vorangekommen und fest im Markt verankert.“ Darüber hinaus seien wesentliche Schritte für die Stabilisierung der Bank erreicht worden. „2009 war für die WestLB ein Jahr der strategischen Repositionierung. Die nun kurz bevorstehende abschließende Abspaltung von Risikopositionen und nicht strategischen Aktiva ist ein weiterer Meilenstein in der nachhaltigen Entwicklung der Bank. Die Kernbank ist fest im Markt verankert und weitgehend von Risiken befreit“, so Voigtländer weiter.

Position im Kundengeschäft weiter gestärkt

In einem schwierigen Marktumfeld hat die WestLB 2009 operativ Kurs gehalten und zahlreiche Marktpositionen in ihren Kerngeschäftsfeldern gefestigt und verbessert. Das Firmenkundenportfolio ist mit knapp 4.300 Kunden breit diversifiziert. Die WestLB ist die führende deutsche Bank bei ABS-Finanzierungen für Unternehmen und bei Projektfinanzierungen, der viertgrößte Anbieter von Schuldscheindarlehen in Deutschland, und bei syndizierten Krediten an die deutsche Wirtschaft belegt sie Position 7. Ihre gute Marktposition bei Zertifikaten hat die Bank gefestigt und wurde 2009 erstmals Marktführer bei kapitalgarantierten Produkten.

Die Vertriebserfolge schlagen sich in einer deutlichen Steigerung der Erträge nieder. So lag der Zinsüberschuss mit 1.868 Mio € um 652 Mio € (+54 %) über Vorjahr. Maßgeblichen Anteil an diesem Wachstum hatten das Geldmarktgeschäft, Zinsprodukte im Kapitalmarktgeschäft und das gute Neugeschäft mit verbesserten Margen bei Firmen- und Verbund-kunden. Der auf 264 Mio € (Vorjahr: 341 Mio €) gesunkene Provisions-überschuss war vor allem von Belastungen aus dem Wertpapier- und Depotgeschäft geprägt. Die deutliche Ausweitung des Zertifikategeschäfts mit den Sparkassen führte zu einem kräftig erhöhten Provisionsaufwand (84 Mio € nach 22 Mio € im Vorjahr), dem höhere Erträge im Handelsergebnis gegenüberstehen. Im Kredit- und Konsortialgeschäft sowie im Zahlungsverkehr lag der Provisionsüberschuss deutlich über den Vorjahreswerten.

Das Handelsergebnis war von Bewertungseffekten beeinflusst und belief sich auf
-71 Mio €. Belastet wurde das Ergebnis mit 244 Mio € aus marktbedingten Credit Spread-Veränderungen bei eigenen Passiva. Ergebnisentlastungen in Höhe von 39 Mio € resultierten aus Bewertungsinkongruenzen (IAS 39); Wertaufholungen bei Staatsanleihen und vergleichbaren Aktiva führten zu Entlastungen in Höhe von 86 Mio €. Bereinigt um diese Bewertungseffekte (per Saldo -119 Mio €) ist das Handelsergebnis mit 48 Mio € leicht positiv. Das Vorjahresergebnis in Höhe von 47 Mio € wurde maßgeblich von dem Phoenix-Übertragungsgewinn (763 Mio €) getragen.

Die Kreditrisikovorsorge wies eine Nettozuführung von 796 Mio € aus (Vorjahr: 479 Mio €), die überwiegend auf das auszulagernde Portfolio nicht-strategischer Aktiva entfällt und auf Bonitätsverschlechterungen infolge der globalen Rezession zurückzuführen ist. Allen erkennbaren Kreditrisiken wurde angemessen Rechnung getragen.
Das Finanzanlageergebnis erreichte -10 Mio €; im Vorjahresergebnis (-19 Mio €) war ein Ertrag in Höhe von 111 Mio € aus der Phoenix-Transaktion enthalten.

Kostenbasis seit 2006 um mehr als ein Drittel gesenkt

Der Verwaltungsaufwand reduzierte sich im dritten Jahr in Folge kräftig und sank um 11 % auf 1.192 Mio € (Vorjahr: 1.341 Mio €). Durch konsequentes Kostenmanagement, deutlich verschlankte Strukturen und optimierte Prozesse führte die Bank ihre Kosten seit 2006 um insgesamt 35 % zurück. Der Personalaufwand belief sich auf 598 Mio € und lag damit um 7 % unter Vorjahr. Hierzu trug vor allem der Abbau um 692 auf 4.971 Vollzeitarbeitskräfte per Ende 2009 bei. Die anderen Verwaltungsaufwendungen gingen um 17 % auf 518 Mio € zurück.

Der Saldo aus sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen erreichte -39 Mio €; hierin enthalten sind unter anderem Aufwendungen aus der Entkonsolidierung der Weberbank. Der Vorjahreswert in Höhe von 402 Mio € basierte maßgeblich auf der Entkonsolidierung von Zweckgesellschaften im Zuge der Phoenix-Transaktion.

Die Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 463 Mio € (Vorjahr: 141 Mio €) enthalten vor allem Rückstellungen in Verbindung mit der Veräußerung von konsolidierten Tochterunternehmen (335 Mio €). Hinzu kommen Zuführungen im Zusammenhang mit Dienstleistungen für die Erste Abwicklungsanstalt (99 Mio €).

Bilanzsumme und Risikoaktiva strategiekonform reduziert

Die Bilanzsumme verringerte sich um 46 Mrd € (-16 %) auf 242,3 Mrd €. Der Rückgang resultierte insbesondere aus dem weiteren systematischen Abbau nicht kundenbezogener Aktiva sowie der Übertragung eines Teilportfolios nicht strategischer Aktiva auf die Erste Abwicklungsanstalt zum Ende des Jahres 2009. Bereinigt um positive Marktwerte aus derivativen Finanzinstrumenten und aus derivativen Sicherungsinstrumenten verringerte sich die Bilanzsumme auf rund 196 Mrd €. Damit ist die Bank im Plan, die Auflage der Europäischen Kommission zur Bilanzsummenreduktion im ersten Schritt auf 187 Mrd € zum 31.03.2010 termingerecht zu erfüllen. Die Risikoaktiva sanken um 5,5 Mrd € auf 83 Mrd €.

Unter Berücksichtigung der am ersten Geschäftstag des Jahres 2010 eingezahlten zweiten Tranche der stillen Einlage des SoFFin in Höhe von 1,5 Mrd € erreichte die Kernkapitalquote 8,2 % und die Eigenmittelquote 10,9 %. Ende 2009 lag die Kernkapitalquote bei 6,4 %, die Eigenmittelquote bei 9,1 %.

Segmentergebnisse: Kundenfokussierung trägt Früchte

Die feste Verankerung der WestLB im Markt findet ihren Niederschlag in der Geschäftsentwicklung der kundennahen Bereiche. So stieg das Vorsteuerergebnis im Segment Firmenkunden und Strukturierte Finanzierungen deutlich auf 192 Mio € (Vorjahr: 23 Mio €). Besonders hervorzuheben ist die erfolgreiche Platzierung mehrerer Schuldscheindarlehen, die Festigung der führenden Position im internationalen Projektfinanzierungsgeschäft sowie die gute Positionierung bei Corporate Bonds. Im Segment Kapitalmarktgeschäft zahlte sich die Fokussierung auf das kundengetriebene Geschäft aus: der Vorsteuergewinn erreichte 370 Mio € (Vorjahr: -146 Mio €). Getragen wurde das Ergebnis vor allem durch das Geschäft in Zins- und Geldmarktprodukten mit öffentlichen Kunden, im Sparkassen-Retailbereich und mit Firmenkunden. Das Segment Verbund & Mittelstand weist um 19 Mio € auf 28 Mio € gestiegene Erträge aus dem Kreditgeschäft aus. Das Vorsteuerergebnis belief sich auf -30 Mio € (Vorjahr: -33 Mio €) und war maßgeblich durch die Entkonsolidierung der Weberbank (-57 Mio €) beeinflusst. Im Transaction Banking stieg das Transaktionsvolumen um 5 % gegenüber dem Vorjahr. Das Vorsteuerergebnis in Höhe von -2 Mio € (Vorjahr: 44 Mio €) basierte vor allem auf dem deutlichen Rückgang im Zinsüberschuss infolge des niedrigen Zinsniveaus. Im Segment PEG/Entflechtung belief sich das Ergebnis vor Steuern auf -513 Mio € (Vorjahr: -767 Mio €). Hier fließen Ergebnisse aus der Redimensionierung der WestLB im Zusammenhang mit der Entscheidung der Europäischen Kommission vom 12. Mai 2009 ein.

Fokussierung des Geschäfts weitgehend umgesetzt

Die Entscheidung der Europäischen Kommission hat die Bank im Jahr 2009 in weiten Teilen umgesetzt. Neben der Reduktion von Bilanzsumme und Risikoaktiva kam die Bank auch bei der Straffung des Standortnetzes und der Veräußerung von Beteiligungen planmäßig voran. Die Standorte in Buenos Aires, Houston, Johannesburg, Kiew, Mumbai, Peking, Santiago de Chile, Mexico City, Dortmund, Bielefeld und Münster wurden geschlossen, Köln folgt planmäßig Mitte 2010. Aus ihrem Beteiligungsportfolio trennte sich die WestLB von der Weberbank, der WestLB Hungaria Zrt. und der Servicegesellschaft Kreditmanagement GmbH. Am 12. März des Jahres erfolgte das Signing zum Verkauf der polnischen Tochtergesellschaft WestLB Polska. Im Plan ist der Verkaufsprozess der Westimmo: das Bieterverfahren wurde pünktlich Anfang Januar 2010 gestartet. Zahlreiche Angebote unterstreichen das substanzielle Interesse im Markt; eine Handvoll Bieter wurde für die nächste Runde ausgewählt.

Schlanke Kernbank mit ausgewogenem Risikoprofil entsteht

Als erste deutsche Bank spaltet die WestLB risikoreiche sowie nicht strategische Wertpapiere unter Nutzung des Finanzmarktstabilisierungs-fondsgesetzes ab. Ein erstes Teilportfolio wurde im Dezember 2009 bereits in die Erste Abwicklungsanstalt transferiert, das Hauptportfolio folgt bis Ende April mit Wirkung zum 1. Januar 2010. Damit ist die Bank von Marktwertschwankungen und Ratingmigrationen aus den abgespaltenen Portfolios nachhaltig befreit. Nach der Abspaltung verfügt die WestLB über eine Kernkapitalquote von ca. 9 %. Nach eingehender Prüfung des Geschäftsmodells der Bank hat sich der SoFFin mit einer Stillen Einlage in Höhe von 3 Mrd € und damit erstmals an einer Landesbank beteiligt. Die Europäische Kommission hat die Abspaltung des Hauptportfolios und die Kapitalisierung durch den SoFFin vorläufig genehmigt und angekündigt, bis spätestens Ende Juni des Jahres eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Für die Konsolidierung gut gerüstet

Im Jahr 2009 hat die Bank wesentliche Weichen für die Zukunft gestellt. Sie hat ihre Bilanz von Risiken und kundenfernem Geschäft entlastet. Nach der Stabilisierung der Bank stehen 2010 die Festigung und der selektive weitere Ausbau des Kundengeschäfts im Fokus. Parallel dazu wird die Bank weiter konsequent die mit der Entscheidung der Europäischen Kommission verknüpften Maßnahmen zur Fokussierung des Geschäfts Schritt für Schritt umsetzen. Dabei gilt es, freiwerdende Ressourcen auch bei verminderter Bilanzsumme für Neugeschäft mit verbesserter Rendite-/Risikostruktur zu nutzen.

Für die notwendigen Strukturveränderungen im Bankensektor ist die Bank gerüstet. Eine Konsolidierungslösung bleibt dabei das bevorzugte Ziel. Dietrich Voigtländer: „Jetzt gilt es, die sich bietende Chance für eine grundlegende Neuaufstellung der Landesbanken zu nutzen. Die WestLB ist bereit für den notwendigen Konsolidierungsprozess. Wir werden 2010 auf unsere eigenen Stärken bauen und weiter konsequent am Ausbau der Marktpositionierung der Bank arbeiten.“

Anlagen
Konzern Gewinn- und Verlustrechnung 2009
Konzernbilanz zum 31. Dezember 2009

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