WestLB erzielt 114 Mio € Halbjahresgewinn
- Zinsüberschuss um 6% gesteigert – Kosten um 4% gesenkt
- 42 Mio € Gewinn im 2. Quartal trotz erheblicher Sonderbelastungen
- Handelsergebnis durch Bewertungseffekte belastet
- Risikovorsorge deutlich verringert
- Kernkapitalquote mit 10,1% erheblich gestärkt
Der WestLB Konzern erzielte im ersten Halbjahr 2010 ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 114 Mio €. Das Ergebnis basiert maßgeblich auf den stabilen Erträgen aus dem Kundengeschäft. Auch auf der Kostenseite kam die Bank weiter voran. Mit der Auslagerung von Risikopositionen und nicht strategienotwendigen Aktiva in die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) per Ende April verbesserte die Bank zudem ihr Risikoprofil nachhaltig und stärkte ihre Kapitalbasis. Die Kernkapitalquote erreichte Ende Juni 10,1%. Trotz erheblicher Belastungen aus dem EAA-Transfer und der schwierigen Marktbedingungen gelang im zweiten Quartal mit 42 Mio € vor Steuern ein positives Ergebnis. In der Kernbank erzielte die WestLB in den ersten sechs Monaten 2010 einen Vorsteuergewinn in Höhe von 304 Mio €. Das Halbjahresergebnis im Vorjahr (Konzern: 302 Mio €, Kernbank: 375 Mio €) hatte stark von sehr günstigen Geldmarktbedingungen und positiven Bewertungseffekten profitiert.
Dietrich Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der WestLB, sagte zu den Halbjahreszahlen: „Die WestLB hat ein respektables Ergebnis vorgelegt, das über unseren Erwartungen liegt. Diese Zahlen belegen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Bank ist angemessen kapitalisiert und hat ein robustes Risikoprofil. Und das Wichtigste: Die Kunden zählen auf uns.“
Zinsüberschuss legt weiter zu
Der Zinsüberschuss im WestLB Konzern stieg im ersten Halbjahr 2010 um 57 Mio € (+6%) gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 946 Mio €. Mit Aufwendungen für die Kreditrisikovorsorge in Höhe von 137 Mio € (i.V. 368 Mio €) trägt die Bank allen erkennbaren Kreditrisiken angemessen Rechnung.
Der Provisionsüberschuss belief sich auf 128 Mio € (i.V. 140 Mio €). Der Rückgang gegenüber dem Vergleichszeitraum entfällt mit 36 Mio € im Wesentlichen auf die in die EAA ausgelagerten Portfolios. Der um 24 Mio € gestiegene Provisionsüberschuss in der Kernbank resultierte aus Zuwächsen im Kredit- und Konsortialgeschäft sowie im Zahlungsverkehr. Vertriebsprovisionen in Höhe von 45 Mio € (i.V. 27 Mio €) aus einem sehr guten Zertifikategeschäft mit Sparkassen führten zu einem erheblichen Anstieg im Provisionsaufwand, dem höhere Erträge im Zins- und Handelsergebnis gegenüberstehen.
Das Handelsergebnis in Höhe von -334 Mio € (i.V. 249 Mio €) war stark durch Bewertungseffekte vor allem aus dem übertragenen Portfolio in den ersten vier Monaten des Jahres geprägt. So schlugen Marktwertverluste bei Staatsanleihen und vergleichbaren Aktiva mit -321 Mio € (i.V. -67 Mio €) zu Buche. Entlastungen ergaben sich durch IAS 39-bedingte Bewertungsinkongruenzen in Höhe von 158 Mio € (i.V. -92 Mio €) und durch die Bewertung eigener Passiva in Höhe von 38 Mio € (i.V. 204 Mio €). Das Handelsergebnis der Kernbank erreichte 89 Mio €.
Das Finanzanlageergebnis in Höhe von -64 Mio € (i.V. -2 Mio €) reflektiert vor allem die Auflösung der negativen Neubewertungsrücklage aus transferierten Beständen (-92 Mio €).
Kostendisziplin wirkt sich nachhaltig aus
Nachhaltige Wirkung zeigt das konsequente Kostenmanagement: Der Verwaltungsaufwand sank im ersten Halbjahr 2010 um weitere 24 Mio € (-4%) auf 549 Mio €. Die Zahl der Vollzeitkräfte verringerte sich gegenüber dem Jahresende 2009 um 191 und lag Ende Juni bei 4.780. Der Saldo aus sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen belief sich aufgrund von EAA-Transfereffekten auf 154 Mio € (i.V. -33 Mio €). Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 30 Mio € waren insbesondere für die Erfüllung von Auflagen der Europäischen Kommission erforderlich.
Segmentergebnisse: Erträge im Kundengeschäft ausgebaut
Die starke Verankerung der Bank im Markt wird durch die Entwicklung in den Kundensegmenten belegt. Im Segment Firmenkunden und Strukturierte Finanzierungen verdoppelte sich das Vorsteuerergebnis auf 228 Mio €
(i.V. 115 Mio €). Ihre gute Marktstellung festigte die WestLB besonders im Asset Based Finance Geschäft, in der internationalen Projekt- und strukturierten Handelsfinanzierung, bei der Emission von Unternehmensanleihen sowie bei Standard- und syndizierten Krediten. Das Segmentergebnis im Kapitalmarktgeschäft belief sich auf 64 Mio € vor Steuern. Im Vorjahreszeitraum hatte das Ergebnis (431 Mio €) von äußerst günstigen Geldmarktbedingungen profitiert. Im Segment Verbund & Mittelstand verbesserte sich das Vorsteuerergebnis auf 6 Mio € (i.V. -9 Mio €), im Transaction Banking auf 4 Mio € (i.V. -3 Mio €). Das Segment PEG/Entflechtung, das die Effekte aus den transferierten Portfolios sowie der zu veräußernden Tochtergesellschaften abbildet, belastete das Vorsteuerergebnis mit 190 Mio € (i.V. -73 Mio €).
Kapitalbasis deutlich gestärkt – Risikoprofil nachhaltig verbessert
Der Transfer von Risikopositionen und nicht strategienotwendigen Aktiva in die EAA im Volumen von insgesamt 77 Mrd € wurde am 30. April 2010 rückwirkend zum 1. Januar des Jahres abgeschlossen. Mit dieser Transaktion ist die WestLB ab Mai 2010 von Marktwertschwankungen und Ratingveränderungen aus den ausgelagerten Portfolios befreit. Damit verbessert die Bank ihr Risikoprofil nachhaltig und stärkt ihre Kapitalbasis. Sichtbare Belege: eine Kernkapitalquote von 10,1% und eine Eigenmittelquote von 14,6% per Ende Juni 2010. Die angemessene Kapitalausstattung der Bank wurde durch die im Juli des Jahres durchgeführten Stresstests europäischer Banken bestätigt. Das verbesserte Risikoprofil der Bank spiegelt sich auch im deutlichen Abbau der Risikoaktiva wider, die sich Ende Juni auf 53,4 Mrd € beliefen (31.12.2009: 83,0 Mrd €). Die Bilanzsumme betrug am Stichtag 251,2 Mrd € (31.12.2009: 242,3 Mrd €).
Im laufenden Beihilfeverfahren zur EAA hat die Europäische Kommission am 22. Juni des Jahres die Frist bis zu einer endgültigen Entscheidung verlängert. Die Prüfung der komplexen Transaktion ist sehr anspruchsvoll und erfordert aus Sicht der Kommission mehr Zeit. Eigentümer, Bund, Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) und WestLB arbeiten konzentriert an einem baldigen Abschluss dieses Verfahrens.
Mit dem konsequenten Risikoabbau und der Konzentration auf das Kundengeschäft hat die WestLB im ersten Halbjahr wichtige strategische Weichen gestellt. Die Eigentümer und der SoFFin unterstützen den Kurs der Bank ausdrücklich. Für den von der Europäischen Kommission geforderten Eigentümerwechsel wurde mit der Ernennung von Friedrich Merz zum Veräußerungsbevollmächtigten eine wichtige Voraussetzung geschaffen. Vorstandschef Dietrich Voigtländer: „Mit der EAA-Lösung hat die WestLB eine viel beachtete Pionierrolle übernommen. Die reibungslose Umsetzung zeigt: Die Bank hält, was sie verspricht. Wir haben damit eine gute Basis für den weiteren Ausbau des Kundengeschäfts geschaffen. Auf den anstehenden Eigentümerwechsel ist die Bank ebenfalls gut vorbereitet. Uneingeschränkten Vorrang hat dabei weiterhin die Einbringung der WestLB in den Konsolidierungsprozess der Landesbanken.“
Anlagen
Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung 1. Januar bis 30. Juni 2010
Konzernbilanz zum 30. Juni 2010
